Pump it up – pneumatic goes kunst 

Franz Bahr in Action

Der Metallbildhauer und gebürtige Kölner Franz Bahr hat bereits in den 90er Jahren damit begonnen Edelstahl und Eisenbleche sowie Kupfer in einer sehr eigenen Art und Weise zu bearbeiten. Am Anfang stand die Frage, ob auch die Metallbearbeitung neuartige Wege gehen kann. Etwas das die Kunstszene durch Video, Computer und Internet bereits in anderen Sparten erprobt hatte. Bahr stellte sich dem Problem, wie sich Metall verhält, wenn es entgegen der üblichen Bearbeitungsweisen, durch Luftdruck von innen heraus auseinandergetrieben wird. Franz Bahr ließ Metallbleche anfertigen, die eine rechteckige Form hatten. Die verschweißte er an den Rändern, versah sie mit einem Ventil und pumpte die so entstandene „Metallkissen“-Hülle auf. Die Ergebnisse waren verblüffend und führen bis heute, in den unterschiedlichsten Größen vom Künstler gefertigt, zu irritierenden und anekdotenreichen Begegnungen mit Betrachtern. Verhalten und Entstehungsprozess der pneumatic sculptures sind je nach Grundmaterial immer wieder verschieden und die Ergebnisse immer einmalig. Ein Lufteinfüllprozess ist immer mit Überraschungen verbunden. Jedes verwendete Metallblech ist in sich, für das menschliche Auge nicht sichtbar mit Toleranzen in Dichte und Bearbeitung versehen, die in der Berührung mit der Kraft der Luft zu Tage treten. Falten, Dehnungen, Knicke, Explosion oder Rissbildung, alles ist möglich. Franz Bahr ist seit einem Jahr wieder verstärkt im Schaffensprozess und hat in wenigen Monaten sein Formenrepertoire deutlich erweitert. Großformatige Objekte, die einfarbigen Patchwork-Decken (Quilts) nicht unähnlich sind und raumgreifende Objekte sind entstanden. (Big Pillow, Plümo, Squares, Octopus). Von den Objekten geht eine ungeheuer große ästhetische Faszination aus. Das Metall glänzt und die gespannten Flächen spiegeln und leiten in deformierte, geknickte, gewölbte Flächen über. Das sonst so einförmig, im Alltag vorkommende Edelstahl in Form von Spülen, Waschtrommel oder Geschirrspülinnenleben wird zu einer Formen und Wirkungsvielfalt die man dem Metall nicht zugetraut hätte. Abstraktion und figürliches halten sich die Waage und erleichtern den Kontakt mit den Skulpturen. Man erkennt die äußere Form und Begrenzung, sieht die Binnengliederung und entdeckt Zonen, die den gewöhnlichen Charakter des Metalls aufheben. Faszinierend ist aber auch der Entstehungsprozess, der seine Nähe zur kinetischen Plastik und zur Performance nicht verleugnen kann. Das Metall wird zur Form geschnitten und verschweißt. Der erste Arbeitsschritt ist daher ein „metalltypischer“ da er mit Feuer und Wärme zu tun hat. Dieser Arbeitsschritt wird in der bildenden Kunst gerne mit der Schmiede des Vulkan gleich gesetzt.  Nach dem Fertigstellen der Metallhüllen, wird die Luft eingefüllt. Der Prozess des Füllens verläuft langsam und gleichmäßig. Die so in Bewegung gesetzten Metallteile knacken und knirschen und bewegen sich langsam auseinander. Das Bewegen kann ruckartig erfolgen, kann die Seite wechseln, so dass Knicke, Beulen und Huckel entstehen. Auch bewegen sich die vorher schlaff am Boden liegenden Teile, richten sich auf, tanzen hin und her, und können Platzen. Der eigentliche Entstehungsprozess der pneumatic sculptures ist somit der Prozess des Luftbefüllens. Die Metallskulptur wird ohne Feuer oder thermische Bearbeitung in eine vorher im Detail nicht zu kalkulierende Form gebracht. Was in diesen Minuten passiert, ist auch für Franz Bahr immer wieder überraschend und fast mystisch, da das Ergebnis nicht vorhersehbar ist. Die Kraft der Luft, die scheinbar so wenig kraftvoll daher kommt, wird zum entscheidenden Formgeber für das Metall, dem Erdelement, das als Symbol für Kraft und Stärke und Stabilität gilt.  Verkehrte Welt, wenn man von den täglichen menschlichen Erfahrungen ausgeht, Elementarkraft mit hoher ästhetischer Wirkung, wenn man von den Naturgewalten und Naturelementen ausgeht. Franz Bahr geht mit seinem Verfahren und seinen pneumatic sculptures Wege in der Metallbildhauerei, die durch die technischen Möglichkeiten und der Mischung aus alten und neuen Techniken den neuen Kunstzweigen des Digitalzeitalters nicht nachstehen.  Noch sind die Maße seiner Objekte durch die Metallblechlängen begrenzt, aber Großplastiken für den öffentlichen Raum sind ebenso denkbar, wie die Mittelformate die jetzt schon entstanden und im Entstehen sind.

© Christiane Hoffmann, Kunsthistorikerin M.A., 2007